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Coach · Aufstellerin · Schamanin

Mein Weg

Ich habe nie dazugehört.

Ich war noch keine zwei Tage auf der Welt, da versagte mein Immunsystem nach einer Impfung. Es war, als hätte mein Körper von Anfang an gesagt: Hier stimmt etwas nicht. Mit fünf lag ich mit einer schweren Herzmuskelentzündung im Krankenhaus, Woche um Woche, und Besuch kam nur jeden zweiten oder dritten Tag. Ich verstand die Welt um mich herum nicht mehr. Und kaum war ich älter, ging es jeden Sommer für sechs Wochen ins Kinderheim, über mehrere Jahre. Meine Geschwister fuhren in den Urlaub. Ich nicht. Ein Kind begreift so etwas nicht mit dem Kopf. Es begreift es mit dem Bauch: Ich gehöre nicht dazu. Ich bin der Klotz am Bein. 

Ich hatte immer Angst, etwas falsch zu machen. Ich passte mich an, war so wie sie mich wollten. Denn wenn ich es tat, wurde wochenlang nicht mehr mit mir geredet. Ich weiß, wie sich körperliche und seelische Gewalt anfühlt. Ich schreibe das nicht, um dich erschauern zu lassen. Ich schreibe es, weil ich weiß, was es heißt, sich im eigenen Leben nicht sicher zu fühlen.


Mit neunzehn kam die Diagnose Myasthenia Gravis, eine Muskelschwäche. Danach Operationen, in denen ich nicht mehr leben wollte. Ich hatte eine kleine Tochter, einen Mann, der mit seiner eigenen Dunkelheit rang, und einen Satz im Ohr: Ich würde keine fünfundzwanzig werden. Mit dreiundzwanzig das zweite Kind, dann die Scheidung. Ich baute für mich und meine Kinder ein kleines Haus. Mit siebenundzwanzig der Auszug aus meinem Haus, weil die Kontrolle nicht mehr auszuhalten war.

Ich hätte an vielen dieser Punkte aufhören können. Ich habe es nie getan. In mir war immer dieser eine Satz: Jetzt erst recht, für meine Kinder. Ich finde einen Weg. Manche Wege, die ich ging, waren nicht schön. Aber ich bin gegangen.


Mit vierzig habe ich die Namensänderung beantragt. Zwei Jahre hat es gedauert, ein zäher, anstrengender Weg, bis sie mit zweiundvierzig endlich bewilligt war. Ich würde ihn jederzeit wieder gehen. An diesem Tag war ich frei von der Herkunft, die mich zweiundvierzig Jahre lang festgehalten hatte.


West ist nicht einfach mein Name. West ist der Name, den ich mir selbst gegeben habe.


Was ich heute weitergebe, hat mich mein eigener Weg gelehrt, nicht ein Lehrbuch. Die Ausbildungen kamen später, Coaching, Familienaufstellung, die schamanische Arbeit und vieles mehr. Sie haben mir Werkzeuge gegeben. Aber das Entscheidende lässt sich nicht in einer Ausbildung lernen. Ich weiß, wie es ist, sich selbst zu verlieren. Und ich weiß, dass es einen Weg zurück gibt. Nicht aus einem Buch. Aus eigenem Gehen.


Deshalb sitze ich heute Menschen gegenüber, die spüren, dass es so nicht weitergeht. Ich sage dir nicht, was du brauchst. Ich gehe mit dir dorthin, wo dein Thema seine Wurzel hat.

Du musst noch nicht wissen, ob mein Weg auch deiner ist. Der nächste Schritt ist ein Gespräch, keine Entscheidung.